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Neubau der Robert-Boehringer-Gemeinschaftsschule

Preisträger des Realisierungswettbewerbs steht fest

Der Lageplan zeigt, wie sich der Schulneubau (Mitte rechts) und der Baumplatz den Schulcampus vervollständigen sollen. Der Neubau soll auf das bisherige Kleinspielfeld bei der Stadionsporthalle gebaut werden.

In unmittelbarer Nachbarschaft zum Bildungszentrum II soll ein Neubau für die Robert-Boehringer-Gemeinschaftsschule mit Mensa gebaut werden. Damit wird in Winnenden der wohl erste speziell als Gemeinschaftsschule konzipierte Schulneubau in Baden-Württemberg entstehen.

Um die architektonisch und städtebaulich beste Lösung für diesen Neubau zu finden, hat die Stadt einen Realisierungswettbewerb durchgeführt. 20 Arbeiten waren in dessen Verlauf eingereicht worden. In einer Preisgerichtssitzung wurden diese am 2. Juli 2015 in der Birkmannsweiler Halle geprüft und bewertet. Als 1. Preisträger ging der Entwurf des Büros Friedrich Poerschke Zwink Architekten und Stadtplaner, München, aus dem Wettbewerb hervor.

Klare Entscheidung nach ausführlicher Beratung

Ziel des Wettbewerbs war die Planung einer zweizügigen Gemeinschaftsschule für bis zu 364 Schülerinnen und Schüler sowie einer Mensa in zwei Bauabschnitten für das gesamte Bildungszentrum. Außerdem sollten die Entwürfe Vorschläge zur Gestaltung der unmittelbar angrenzenden Außenanlage, des Pausenhofs einschließlich der Fahrradabstellanlagen sowie der Wegeführung innerhalb des Wettbewerbsgebiets mit fußläufiger Anbindung des Neubaus an den bestehenden Schulcampus enthalten. „Wir planen damit die höchstwahrscheinlich größte Erweiterung dieses Schulcampus in diesem Jahrhundert“, betont Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth die Bedeutung des Bauprojekts für die Stadt Winnenden.

Die Preisjury, bestehend aus Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth, den Stadträten Hanspeter Luckert (FWV), Frank Rommel (CDU) und Hans-Dieter Baumgärtner (SPD) sowie Gabriele d`Inka (Architektin, Fellbach), Klaus Hägele (Leiter des Stadtbauamt, Stadt Winnenden), Oliver Braun (Architekt, Stuttgart) und Peter W. Schmidt (Architekt, Pforzheim), hatte unter dem Vorsitz von Dipl. Ing. Reiner Klein (Architekt, München) in zwei Rundgängen acht Vorschläge ausgewählt, die anschließend vertiefend betrachtet wurden. Besondere Prioritäten legte die Jury bei ihrer Bewertung auf die städtebauliche Einbindung und die innere Funktionalität der Entwürfe. Aber auch die Umsetzung des Brandschutzes, die Kosten und die Nachhaltigkeit waren wichtige Kriterien. Nach einer ausführlichen Diskussion entschied sich das Preisgericht einstimmig für den Siegerentwurf. „Der Entwurf löse die komplexe Aufgabe für das heterogen gegliederte und bebaute Areal am besten“, betont der Juryvorsitzende Dipl.-Ing. Reiner Klein. Begleitet wurde diese Entscheidung von den Sachverständigen Markus Schlecht (Sachgebiet Stadtplanung, Stadt Winnenden), Andreas Hein (Leitung Amt für Schulen, Kultur und Sport) und Markus Klein (Rektor der Robert-Boehringer-Gemeinschaftsschule).

Vorne die Planer mit dem Modell ihres Siegerentwurfs (v.l.): Ute Poerschke, Stefan Zwink, Klaus Friedrich und Landschaftsarchitekt Roberto Kaiser. Hinten: Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth, Juryvorsitzender Reiner Klein, Amtsleiter Andreas Heim, Rektor Markus Klein, Gemeinderat und Jurymitglied Hans-Dieter Baumgärtner und Bauamtsleiter Klaus Hägele (v.l.).

Preisträgerentwurf hat die städtebauliche Umgebung perfekt aufgenommen

Die drei Architekten Klaus Friedrich, Ute Poerschke und Stefan Zwink haben gemeinsam mit Landschaftsarchitekt Roberto Kaiser einen Entwurf mit einer kompakten Schulanlage und einem großen Platz, der sich zur Talaue hin öffnet, entwickelt, der eine horizontale Verbindung zu den anderen Gebäuden in der Umgebung schafft und so den Schulcampus gelungen abrundet.

Als Schulgebäude sieht der Entwurf einen windmühlenartig gegliederten, zweigeschossigen Baukörper vor, der in seiner unaufdringlichen Struktur eine typologische Verwandtschaft zum bestehenden Campus bildet und zugleich eine große ästhetische und funktionale Eigenständigkeit besitzt. Der Entwurf sieht eine räumliche Unterteilung der Gemeinschaftsschule in einen Zentralbereich und in drei Lernhäuser vor. Der Zentralbereich soll im Erdgeschoss untergebracht werden. Er umfasst die Räume, die von allen Schüler/Innen und Lehrer/Innen gleichermaßen genutzt werden, also die Fachunterrichtsräume, den zentralen Lehrer- und Verwaltungsbereich, einen  Ganztagesbereich sowie die Mensa. Diese vier Bereiche werden auf die vier Flügel des Erdgeschosses verteilt. Ein in der Mitte gelegener Lichthof wird das räumliche Zentrum der Schule bilden.

Im Obergeschoss werden in drei Baukörpern die sogenannten Lernhäuser mit den allgemeinen Unterrichtsbereichen für die einzelnen Jahrgänge untergebracht werden. Jedes der drei Lernhäuser wird aus zwei Jahrgangsclustern und einem von beiden Clustern gemeinsam genutzten Bereich bestehen. Ein Jahrgangscluster wird aus je zwei Lernateliers, einem Input-Raum und einem Marktplatz bestehen. Die Lernateliers dienen vor allem für stille Einzelarbeiten, während der Marktplatz Raum für kooperative und kommunikative Lernformen wie Gruppenarbeiten bieten wird. Der Input-Raum dient wiederum dem klassischen (Frontal-)Unterricht. Außerdem soll im Obergeschoss eine begehbare Dachterrasse entstehen, wodurch für die Schule eine offene Piazza und ein zweiter Pausenhof entstehen.
Die geplante Mensa soll allen Schulen des Bildungszentrums dienen und daher für alle gleich gut zu erreichen sein. Zugleich soll die Mensa auch als Aula für die Schulen des Campus, aber insbesondere für die Gemeinschaftsschule fungieren. Realisiert werden soll die Mensa in zwei Bauabschnitten. Der erste Bauabschnitt soll mit dem Neubau der Gemeinschaftsschule realisiert werden. Der zweite Bauabschnitt ist nur eine mögliche Erweiterung.

Besonders beeindruckt zeigte sich die Jury von der Idee, die im nördlichen Bereich durch die kompakte Bauweise entstehende große Freifläche als offenen Pausenhof und mächtigen Baumplatz zu nutzen. Für die Schüler sowohl der Gemeinschaftsschule als auch des weiteren Schulcampus entsteht so ein großer Raum zum Spielen und Entspannen. Zugleich entsteht durch den Hain eine besondere Durchlässigkeit zwischen den Schulgeländen und dem benachbarten Sportplatz und öffnet das Gelände zum Zipfelbachtal.

Für die Fassadengestaltung des modernen, zweigeschossigen Gebäudes haben die Architekten geschlämmtes Mauerwerk vorgeschlagen.

Raumprogramm wird im Siegerentwurf überzeugend umgesetzt

Grundlage des Wettbewerbs war das überarbeitete Raumprogramm für den Neubau, dem der Gemeinderat am 3. März 2015 zugestimmt hatte. Zuvor war das Raumprogramm dem vom Kultusministerium Ende 2014 veröffentlichen Entwurf für die überarbeiteten Schulbauförderrichtlinien angepasst worden. Außerdem waren in das Raumprogramm auch praktische Unterrichtserfahrungen der Lehrkräfte aus den im Schuljahr 2014/15 eingerichteten Startcluster und pädagogische Erfahrungen aus dem Unterrichtsalltag der Robert-Boehringer-Gemeinschaftsschule eingeflossen. „Ausgangspunkt der Raumplanung waren die Bedürfnisse der Schule. Wir haben als Ziel, dass der Neubau die Lehrer direkt im Unterricht unterstützt, und haben daher das Raumprogramm im Dialog mit der Schule aus der Pädagogik heraus entwickelt“, erklärt Andreas Hein von städtischen Schulamt.
Markus Klein, der Direktor der Robert-Boehringer-Gemeinschaftsschule, ist sehr glücklich über den Verlauf des Wettbewerbs. „Die Schulgemeinschaft ist froh, dass nun ein Schulgebäude entsteht, das der modernen Pädagogik entspricht, und wir hoffen, dass es möglichst schnell verwirklicht wird.“ Zurzeit ist die Robert-Boehringer-Schule, die seit dem Schuljahr 2014/15 eine Gemeinschaftsschule ist, auf zwei Gebäude verteilt. Zwar hat die Schule bereits Räume im Bildungszentrum II entsprechend der Anforderungen einer Gemeinschaftsschule eingerichtet. „Allerdings sind das nur vorläufige Lösungen“, betont Markus Klein.

Einzug in die neue Schule für das Schuljahr 2019/20 geplant

Die Stadtverwaltung wird nun mit den Preisträgern über die Auftragsvergabe verhandeln. Dabei werden neben dem Wettbewerbsergebnis u.a. Fragen der Wirtschaftlichkeit, Umwelteigenschaften und die Terminplanung eine Rolle spielen. Im Herbst wird der Gemeinderat abschließend über die Auftragsvergabe entscheiden.

Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth hoffte, dass der Neubau zum Schuljahr 2019/20 fertig sein wird. „Allerdings sind wir noch sehr am Anfang der Planung, deshalb können wir keine festen Versprechen manchen.“ Sollte alles nach Planung verlaufen, würde die neue Robert-Boehringer-Gemeinschaftsschule pünktlich zu den Heimattagen 2019 fertig werden.

(Erstellt am 06. Juli 2015)