Entwicklung von Grundlagen für die kommunale Klimaanpassung

Wetterextreme wie längere Trockenperioden, steigende Temperaturen, Starkregen oder Hochwasser stellen Städte und Gemeinden zunehmend vor Herausforderungen. Um die Folgen des Klimawandels besser bewältigen zu können, wird die Erstellung kommunaler Klimaanpassungskonzepte in den kommenden Jahren zur Pflichtaufgabe. Diese Konzepte sollen helfen, Risiken frühzeitig zu erkennen, die Widerstandsfähigkeit der Stadt zu erhöhen und die Lebensqualität für Bevölkerung und Natur langfristig zu sichern.

Das Land Baden-Württemberg und die Region Stuttgart stellen hierfür umfangreiche Daten- und Kartengrundlagen bereit. Winnenden nutzt diese aktiv und verbindet mehrere laufende Projekte; darunter eine Haushaltsbefragung im Rahmen eines Forschungsprojekts, die Erstellung einer „Fokuskarte Starkregen“, die interkommunale Zusammenarbeit zum Hochwasserschutz am Buchenbach sowie das kommunale Starkregenrisikomanagement (SRRM). Ziel ist es, Wissen zu bündeln und eine fundierte Grundlage für zukünftige Entscheidungen zu schaffen. 

Gruppe von Männern, darunter ein Feuerwehrmann, steht vor Wand mit Karten und diskutiert in einem Besprechungsraum

Fokuskarte Starkregen – regionale Daten mit lokalen Erfahrungen verknüpft

Der digitale Klimaatlas der Region Stuttgart wurde kürzlich umfassend aktualisiert. Er enthält aktuelle Klimadaten und Szenarien – unter anderem für eine mögliche globale Erwärmung um zwei Grad Celsius. Ein neues Element ist die regionale Starkregenkarte, die großräumig zeigt, wo sich bei Starkregenereignissen Wasser sammeln kann. Diese Karte dient als grobe Hinweis- und Orientierungskarte für Kommunen, ersetzt jedoch keine detaillierte kommunale Gefahren- oder Risikokarte, die erst im Rahmen eines SRRM erarbeitet werden muss.Um die regionalen Daten mit lokalen Erfahrungen abzugleichen, wurde gemeinsam mit dem Verband Region Stuttgart, den Verwaltungen von Berglen, Leutenbach und Winnenden, dem Landratsamt sowie den Feuerwehren aus Winnenden und Berglen eine „Fokuskarte Starkregen“ erarbeitet. Sie basiert auf der regionalen Starkregenkarte und wurde durch Erkenntnisse aus dem Hochwasser 2024 ergänzt.

Die „Fokuskarte Starkregen“ für das Gebiet von Winnenden zeigt sogenannte Aufmerksamkeitsräume, in denen aufgrund der Geländesituation bei Starkregen mit Wasseransammlungen zu rechnen ist. Zusätzlich wurden sensible und kritische Infrastrukturen wie Feuerwehrgerätehäuser, Kindergärten und Pflegeeinrichtungen oder Transformatorstationen hervorgehoben. Die „Fokuskarte Starkregen“ dient damit als erste Grundlage, um Einsatzpläne zu überprüfen, mögliche Maßnahmenräume zu identifizieren oder weitere Untersuchungen vorzubereiten.Eine detaillierte hydraulische Berechnung mit Berücksichtigung von Bodenbeschaffenheit, Versiegelungsgrad, Geländemodell und verschiedenen Starkregenszenarien erfolgt im Rahmen des kommunalen Starkregenrisikomanagements (SRRM), das derzeit vorbereitet wird.

Haushaltsbefragung zu Hitze und Starkregen

Im Rahmen des Forschungsprojekts „Integrative stadt-regionale Anpassungsstrategien in einer polyzentrischen Wachstumsregion: Modellregion – Region Stuttgart“, kurz ISAP, werden Anpassungsstrategien für die Region Stuttgart in Zeiten des Klimawandels weiterentwickelt und erprobt. Ein wesentlicher Bestandteil des Projekts war die Durchführung von Haushaltsbefragungen in ausgewählten Kommunen der Region Stuttgart, darunter auch Winnenden. Durch das Institut für Raumordnung und Entwicklungsplanung der Universität Stuttgart und das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung GmbH wurden mehr als 4.500 Winnender Einwohnerinnen und Einwohner angeschrieben und umfassend zu ihrer persönlichen Einschätzung und ihren Erfahrungen bezüglich der Auswirkungen des Klimawandels befragt. Insgesamt 468 verwertbare Rückmeldungen gingen bei den Projektverantwortlichen ein, was einer zufriedenstellenden Rücklaufquote von 10,2 % entspricht.

Aus der Umfrage geht hervor, dass der Großteil der Befragten das Risiko durch extreme Hitze (60 %), Regenfälle (63 %) und Hagel (57 %) (eher) hoch einschätzen. Besonders in der Innenstadt, an Haltestellen und in öffentlichen Verkehrsmitteln empfinden die Befragten die Hitzebelastung vergleichsweise hoch. Der Wald sowie Parks und Gärten schnitten erwartungsgemäß deutlich besser ab. Abgeschlagenheit (48 %) und Schlafprobleme (52 %) sind die häufigsten körperlichen Folgen, welche Hitzegeplagte aus Winnenden (sehr) oft erleiden. Besonders deutlich wurden die Rückmeldung der Befragten bei der Priorisierung der Anpassung an Hitzewellen bei der Stadtentwicklung. 74 % stimmten der Aussage „Die Anpassung an Hitzewellen sollte eine hohe Priorität bei der Stadtentwicklung haben“ absolut zu. Ein Starkregenereignis seit der Jahrtausendwende erlebten 92 % der Befragten mit, 18 % waren von einer folgenden Überschwemmung direkt betroffen.

Joanna McMillan, akademische Mitarbeiterin am Institut für Raumordnung und Entwicklungsplanung der Universität Stuttgart, stellte die Ergebnisse der Befragung am 14. April in der öffentlichen Sitzung des technischen Ausschusses vor. Der Kurzbericht zur Auswertung der Umfragen ist unter www.winnenden.de einsehbar.

Die Vorstellung der „Fokuskarte Starkregen“ durch Dr. Christoph Hemberger und Max Rodenbüsch, beide Mitarbeiter des Verbands Region Stuttgart, erfolgte in derselben Sitzung. Der digitale Klimaatlas für die Region Stuttgart kann unter https://klimaatlas.region-stuttgart.org/ abgerufen werden. 
 
 

Hier gelangen Sie zum digitalen Klimaatlas für die Region Stuttgart.