Ein Markstein der Stadtgeschichte
1925 wurde das 600-jährige Jubiläum der Zugehörigkeit Winnendens zu Württemberg begangen
Am 10. Oktober 1325 verkaufte Konrad von Weinsberg Winnenden an Graf Ulrich III. von Württemberg. Genau 600 Jahre später wurde dieses bedeutsame Ereignis mit einem großen Fest gefeiert. Im Virtuellen Stadtmuseum gibt es jetzt eine Ausstellung, die das Jubiläum in den Blick nimmt.
Der neue Beitrag befindet sich im Themenraum „Herrschaft, Land und Obrigkeit“ unter „Winnenden und (Baden-)Württemberg“. Er behandelt zunächst die Hintergründe des Übergangs der Stadt an Württemberg im Spätmittelalter und ordnet die Feier in den Kontext der 1920er-Jahre ein. Sie fiel in eine Phase relativer Stabilisierung der Weimarer Republik. Der Erste Weltkrieg und die Hochinflation von 1923 lagen noch nicht lange zurück. Den Anstoß zu dem Fest gab Stadtschultheiß Georg Schmidgall in einer Gemeinderatssitzung am 1. August 1924. Schmidgall schlug vor, einen historischen Umzug und ein Theaterspiel zu veranstalten. Dem stimmte das Gremium zu.
Das Programm für die zweitägigen Feierlichkeiten wurde vorab im örtlichen „Volks- und Anzeigeblatt“ angekündigt. Los ging es dann am 10. Oktober 1925, einem Samstag, mit Glockengeläut um 16.30 Uhr. Erste Höhepunkte waren der offizielle Festakt im Gesellschaftshaus der damaligen Heilanstalt Winnental und ein Fackelzug durch die Straßen der Stadt. Als Hauptredner beim Festakt sprach der populäre schwäbische Mundartdichter August Lämmle, der inzwischen aufgrund seiner ideologischen Nähe zum Nationalsozialismus umstritten ist.
Der zweite Tag des Jubiläums begann mit einem Gottesdienst in der Schlosskirche. Danach fanden auf dem Marktplatz musikalische Darbietungen der Stadtkapelle und des Gesangvereins Konkordia sowie eine Feier für die Jugend statt. Abgerundet wurde das Festwochenende mit der Aufführung des Theaterstücks „Der grimmige Kommentur“ im Gesellschaftshaus der Heilanstalt. Im Mittelpunkt der Handlung stand das Schicksal des Deutschordenskomturs Bernhard von Schwalbach. Den Text hatte der Oberlehrer Ernst Huber aus Bönnigheim geschrieben, der früher in Winnenden tätig gewesen war. Das Schauspiel erhielt großes Lob. Es wurde noch drei weitere Male aufgeführt. Der Erlös eines Termins kam, einem Gemeinderatsbeschluss entsprechend, Bedürftigen in der Stadt zugute.
An dem Fest beteiligten sich auch die Geschäfte. Die Konditorei von Ernst Sommer empfahl verschiedene Torten, Kuchen und Spezialitäten wie Makronenbrezeln oder Schillerlocken. Zum Schmücken der Häuser wurden Dekorationsfahnen und Wimpelketten der Stuttgarter Firma Böbel & Michelfelder angeboten. Aus gegenwärtiger Sicht bemerkenswert: Die Einwohnerschaft bekam an beiden Tagen Gelegenheit, die „Urkunde über die Abtretung von Winnenden an Württemberg“ im Original zu betrachten. Das Württembergische Staatsarchiv hatte sie zur Auslage im Ratssaal und im Gasthaus zur Krone bereitgestellt. Über den Verlauf des Wochenendes berichtete das „Volks- und Anzeigeblatt“ ausführlich. Sogar ein eigens verfasstes Gedicht mit dem Titel „Zur 600 Jahr-Feier der Stadt Winnenden am 10. und 11. Oktober 1925“ wurde veröffentlicht – allerdings ohne Nennung des Autors, so dass über diesen nur gemutmaßt werden kann.
Erarbeitet wurde die Präsentation von dem 30-jährigen Historiker Lukas Schultze-Melling aus Kernen. Die Auswahl der Exponate erfolgte in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv. Zu sehen sind insbesondere Aufnahmen des bis heute bekannten Winnender Fotografen Eugen Weber, den die Stadtverwaltung beauftragt hatte, das Jubiläum zu dokumentieren.
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