Abschied nach 24 Jahren

Wie Erster Bürgermeister Norbert Sailer Winnenden prägte

Gruppe von Menschen in einem Saal applaudiert einem Mann, der vor einem Mikrofon steht und eine Urkunde hält

Zum 31. August tritt Erster Bürgermeister Norbert Sailer nach 24 Jahren bei der Stadt Winnenden in den Ruhestand. Für seine Verdienste im Amt wie auch darüber hinaus, wurde ihm die Bürgermedaille in Gold überreicht. Bei der Verabschiedung im eindrucksvoll gefüllten Sitzungssaal des Winnender Rathauses kamen zahlreiche Wegbegleiter des langjährigen Kommunalpolitikers zusammen.

Zum 1. September 2002 trat Norbert Sailer die Stelle als Erster Bürgermeister der Stadt Winnenden, seinerzeit an der Seite von Oberbürgermeister Bernhard Fritz, an. Damit folgte der damals 36-jährige Diplom-Verwaltungsfachwirt auf seinen Vorgänger Paul Hug. Zuvor hatte er sich mit einer satten Mehrheit gegen zwei Bewerber in der Wahl durch den Gemeinderat durchgesetzt.
 
Seither sind rund 24 Jahre vergangen und Norbert Sailer hat die Stadt Winnenden in vielerlei Hinsicht geprägt und vorangebracht. Zu seiner Verabschiedung im Sitzungssaal des Winnender Rathauses füllten die über 200 Gäste den Raum bis an seine Kapazitätsgrenze. Bei der Begrüßung durch Bürgermeister Jürgen Haas zeigte sich deutlich, wie viele Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter des Ersten Bürgermeisters in 24 Jahren Wirken in Winnenden zusammengekommen waren. Umrahmt durch die musikalische Begleitung der Streicher „NoStrings“ blickten die Rednerinnen und Redner gemeinsam mit den Anwesenden auf zahlreiche Projekte und Highlights zurück.
 
Stadtrat Hans Ilg teilte seine Erinnerung an die Gemeinderatssitzung, in welcher sich Erster Bürgermeister Norbert Sailer erstmals zur Wahl stellte. „Damals 2002 warst Du nicht der einzige Bewerber, der sich dem Gemeinderat vorgestellt hat, um bei uns Bürgermeister zu werden. Deine Bewerbung hat aber neugierig gemacht“, so Stadtrat Hans Ilg. Besonders seine aufgeschlossene Art war es, die er nutzte, um mit den Menschen in den Austausch zu gehen: „Du warst kein Bürgermeister, der sich ins Büro zurückgezogen hat, sondern Du warst nahe an den Menschen. Man hat Dich überall in unserer Stadt getroffen, bei Vereinen, bei Festen im Austausch mit den Kirchen, ´Du warscht halt bei de Leit!´ Genau das macht gutes kommunales Wirken aus.“
 
Für den Personalrat, dessen Vorsitzende Sabine Gramlich zusätzlich via Videobotschaft herzliche Worte an den Ersten Bürgermeister richtete, sprach Jonatan Tropea. „Der Personalrat – und auch ich persönlich – durfte Sie über viele Jahre erleben. Nicht nur als Dezernenten, als kulturbegeisterte Persönlichkeit oder Ersten Bürgermeister, sondern vor allem als Menschen. Als jemanden, der sich Zeit genommen hat. Der zugehört hat. Und der den Menschen immer mit Wertschätzung begegnet ist“, beschrieb er die gemeinsame Zusammenarbeit.
 
„Sie haben nie nur verwaltet – Sie haben sich gekümmert. Um Gebäude, um Ausstattung, um Konzepte, vor allem aber um die Menschen darin. So wie zum Beispiel bei vielen Runden Tischen in den Bildungszentren, wo Sie alle an einen Tisch geholt haben und wirklich gute Gespräche auch gute Ergebnisse zutage gebracht haben. Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Eltern wussten immer: Wenn es um Bildung geht, ist auf Sie Verlass“, so Sabine Klass, Geschäftsführende Schulleiterin, über das Engagement des Ersten Bürgermeisters für die Winnender Schulen. Mit zwei umgetexteten Liedern, Aux Champs-Elysées wurde zu Au rue de marché und Living next door to Alice zu Living next door to Bernhard und Hartmut, überraschte der Chor der Schulleitenden ihren lange Zeit zuständigen Dezernenten.
 
Auch auf die Zusammenarbeit mit der Gemeinschaft der Winnender Kirchen wurde an diesem Abend zurückgeblickt. „Und so haben wir Sie immer erlebt: Als einen, der verlässlich und umsichtig handelt und der Dinge voranbringen kann. Als einen, auf den man zugehen kann, mit dem man unkompliziert zusammenarbeiten und nach Lösungen suchen konnte. Das haben gerade wir, als evangelische Kirchengemeinde, zuletzt bei der Außensanierung der Stadtkirche erlebt, wo wir bei einem Anliegen wussten: Bei Ihnen ist es in guten Händen. Es läuft“, lautete das Fazit von Pfarrer Philipp Essich.
 
Durch den engen Kontakt zu den Winnender Vereinen trieb Erster Bürgermeister Norbert Sailer auch die Projekte der Ehrenamtlichen, wie den Sportpark der SV Winnenden, voran. „Egal wie groß der organisatorische Druck auch war, Herr Sailer hat nie vergessen, dass hinter jeder Idee, jeder Aufgabe Menschen […] mit eigenen Bedürfnissen und Grenzen stehen“, so Willibald Hackel, Vorstand des WWKV.
 
Der gesamte Umfang des Tätigkeitsfelds, in welchem Erster Bürgermeister Norbert Sailer über zwei Jahrzehnte wirkte, wurde in der Laudatio durch Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth deutlich.

Planen und Bauen

Das Projekt „Markthaus“ in Winnenden wurde nach rund zweijähriger Bauzeit im September 2006 erfolgreich abgeschlossen und feierlich eröffnet. Bereits im Dezember 2004 begann mit dem symbolischen Baggerbiss die Umsetzung des lang geplanten Vorhabens.
Mit der Eröffnung des Rems-Murr-Klinikums Winnenden im Juli 2014 wurde ein zentrales Gesundheitsprojekt der Region erfolgreich abgeschlossen. Nach rund zehn Jahren Planung und fünf Jahren Bauzeit nahm das Krankenhaus am 19. Juli den regulären Betrieb auf, nachdem bereits am 4. Juli die offizielle Einweihung gefeiert worden war.
Nach dem Amoklauf vom 11. März 2009 hat die Stadt den Umbau der Albertville-Realschule zügig vorangetrieben. Bereits am 4. Mai 2010 genehmigte der Gemeinderat die Entwurfsplanung, nur zwei Tage später wurde der Bauantrag eingereicht. Mit Beginn des Schuljahres am 12. September 2012 konnte die Schulgemeinschaft aus den provisorischen Container-Klassenzimmern in das umfassend neu gestaltete Schulgebäude zurückkehren.
Nach einer Bauzeit von rund 20 Monaten konnte die neue Alfred-Kärcher-Sporthalle im September 2012 für den Schul- und Vereinssport freigegeben werden. Und nach fünfjähriger Bauzeit präsentierte sich 2024 das Lessing-Gymnasium umfassend modernisiert, ohne dabei seinen ursprünglichen Charakter zu verlieren. Am 3. Juni 2024 kehrte die Schulgemeinschaft, deren Unterricht teilweise in Containern stattfand, vollständig in das sanierte Gebäude zurück. Auf die Überzeugung des Ersten Bürgermeisters, welche sich in seiner Arbeit stets widerspiegelte, ging Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth bei der Verabschiedung ein: „Eine Stadt ist mehr als Gebäude, Straßen und Einrichtungen. Eine Stadt lebt von den Menschen, die in ihr wohnen, arbeiten und sich engagieren. Diese Haltung hat Ihr Wirken geprägt.“

Soziales Engagement über das Amt hinaus

Auch im Bereich des sozialen Miteinanders hatte der Erste Bürgermeister beispielsweise durch die Mitbegründung der Bürgerstiftung Winnenden und dem dazugehörigen Sozialfonds „Bürger helfen Bürgern“ bedeutende Arbeit geleistet, welche auch weiterhin ihre positive Wirkung entfaltet. Seit ihrer Gründung der Bürgerstiftung im Dezember 2005 engagiert sich die Bürgerstiftung Winnenden für das Gemeinwohl in der Stadt. Sie unterstützt insbesondere Kinder, ältere Menschen und Bedürftige und springt gemeinsam mit dem Sozialfonds „Bürger helfen Bürgern“ dort ein, wo öffentliche Mittel nicht ausreichen. Eine prägende Rolle spielte dabei Bürgermeister Norbert Sailer. Als Mitbegründer und langjähriger Vorstandsvorsitzender baute er die Stiftung maßgeblich auf und machte sie zu einer festen Größe im sozialen Leben Winnendens. „Dabei ging es Ihnen nie nur um Organisationen oder Strukturen. Im Mittelpunkt standen immer die Menschen: Kinder und Jugendliche, Familien, Seniorinnen und Senioren sowie Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind“, so Oberbürgermeister Holzwarth.
Während seiner zehnjährigen Amtszeit als Kreisrat wirkte Norbert Sailer aktiv an zentralen kommunalpolitischen Entscheidungen auf Kreisebene mit, darunter das neue Abfallwirtschaftskonzept, das Medizinkonzept sowie mehrere Maßnahmen im sozialen Wohnungsbau und zur Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs.
Norbert Sailer hat sich sowohl als Bürgermeister als auch privat über viele Jahre hinweg in besonderem Maße für das gesellschaftliche Leben in Winnenden eingesetzt. Sein Engagement reichte tief in das Vereinswesen hinein. Das kulturelle Leben förderte er nachhaltig, unter anderem als Mitglied des erweiterten Vorstands des Fördervereins „Alte Kelter“. In seinem ”Herti” engagierte er sich zudem im Bürgerverein und ist ein begeisterter Unterstützer der Hertmannsweiler Erlebnistage.
Darüber hinaus setzte Norbert Sailer wichtige Impulse für den Dialog zwischen Bürgerschaft und Verwaltung.

Bildung stärken

Von 2002 bis 2014 war Norbert Sailer als Dezernent für das Amt für Schulen, Kultur und Sport sowie das Amt für Jugend und Familie tätig und setzte sich in dieser Funktion für eine gelingende Bildung in den Schulen, Kindergärten und weiteren Bildungseinrichtungen ein.
Die Elterninitiative Tagesmütter Winnenden wurde 2002 mit 13 Mitgliedern gegründet, maßgeblich durch Bürgermeister Paul Hug initiiert und von Bürgermeister Norbert Sailer geformt. Ziel der Initiative ist es, eine qualitativ hochwertige Betreuung von Kindern sicherzustellen und zugleich die Zusammenarbeit zwischen Eltern und Tagespflegepersonen zu fördern.
Als Mitglied des Vorstands der Volkshochschule Winnenden - Schwaikheim - Leutenbach gestaltete Bürgermeister Norbert Sailer bereits kurz nach seinem Amtsantritt in Winnenden das Kultur- und Bildungsangebot in Winnenden über viele Jahre mit.
Über ein Jahrzehnt begleitete Bürgermeister Norbert Sailer sowohl den Jugendgemeinderat, als auch viele Jahre den Seniorenrat eng bei ihrer Arbeit und verfolgte stets das Ziel, gegenseitiges Verständnis für die Bedürfnisse der jeweils anderen Generationen zu wecken und Perspektivwechseln offen gegenüberzustehen.

Umweltschutz und Nachhaltigkeit

2002 freute sich Bürgermeister Norbert Sailer über die Ergänzung seines Dezernats um die Stelle des Umweltschutzbeauftragten. Die Stabstelle für Umweltschutz erweiterte sich 2022 mit dem Zugang des Beauftragten für eine klimaneutrale Kommunalverwaltung. In der dezernatsinternen Zusammenarbeit zwischen der Stabsstelle und der Stadtgärtnerei wurde der Umweltschutz gemeinsam vorangetrieben. Durch seine Arbeit bei den Stadtwerken Winnenden, der Streuobst-Aktion und das Netzwerk zu den Winnender Vereinen entstanden zahlreiche Projekte und Initiativen.

Kultur und Austausch

Mehrere Jahre nach seinem Start gilt das Projekt „5inWinnenden“ als beispielhaftes Modell für gelungene europäische Fachkräfteförderung und kommunale Integrationsarbeit. Das Vorhaben brachte junge Menschen aus der spanischen Partnerstadt Santo Domingo de la Calzada nach Winnenden, um ihnen berufliche Perspektiven in Deutschland zu eröffnen. Durch seine enge Verbundenheit mit der spanischen Partnerstadt war Bürgermeister Norbert Sailer eine der tragenden Säulen des Projekts.
Ein weiteres Herzensprojekt, das Bürgermeister Norbert Sailer maßgeblich mitgestaltete, waren die Heimattage im Jahr 2019. Über mehrere Wochen hinweg entstand ein vielfältiges Programm, das die Stadt in all ihren Facetten zeigte. Vom Eventwochenende im Wunnebad bis hin zu einem großen Sportwochenende reichte die Palette an Aktionen, die viele Menschen zusammenbrachte. Einige Formate blieben bis heute erhalten. Die Backhäusle-Tour etwa entwickelte sich zu einem beliebten Treffpunkt für Genießer, und auch das Panoramaweinfest wurde schnell zu einem festen Bestandteil des Veranstaltungskalenders.
 
„Sie haben nicht nur Projekte begleitet und Entscheidungen getroffen, sondern immer auch den direkten Austausch gesucht und den Menschen das Gefühl gegeben, gehört und ernst genommen zu werden“, so Oberbürgermeister Holzwarth weiter.

Fünf Männer in Anzügen stehen in einem Raum mit Holzbalken an der Decke, einer hält eine Auszeichnung, im Hintergrund sind eine Leinwand und eine Fahne zu sehen.
v.l.: Erster Landesbeamter Dr. Peter Zaar, Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth, Erster Bürgermeister Norbert Sailer, Bürgermeister Jürgen Haas und Staatssekretär Siegfried Lorek, MdL.

Goldene Bürgermedaille als besondere Wertschätzung

Für sein herausragendes Engagement, welches über das Amt des Ersten Bürgermeisters weit hinausreichte, überreichte Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth die Bürgermedaille in Gold an Ersten Bürgermeister Norbert Sailer. Der kräftige Applaus des stehenden Publikums im Anschluss an die Dankesworte des verabschiedeten Kommunalpolitikers hielt lange an und zeigte eindrucksvoll die Wertschätzung der teils langjährigen Wegbegleiter.
 
Beim anschließenden Stehempfang im Foyer des Rathauses, zu welchem Bürgermeister Jürgen Haas abschließend überleitete, blieb genug Zeit, um gute Wünsche auszutauschen und die gemeinsamen Jahre Revue passieren zu lassen.