Einschätzung des Vereins Attraktives Winnenden zum IHK-Innenstadtcheck und der Hochschul-Analyse
Winnender Innenstadt wird grundsätzlich positiv bewertet – klarer Wunsch nach mehr Verweilmöglichkeiten, Begrünung und dem Erhalt des bewährten Parkmodells
Die Attraktivität und Zukunftsfähigkeit von Stadtzentren steht angesichts des veränderten Konsumverhaltens und struktureller Transformationen im Fokus der Stadtentwicklung. Wie steht es wirklich um die Winnender Innenstadt? Wo liegen ihre Stärken und welche Angebote müssen gezielt ausgebaut werden?
Um eine verlässliche Datengrundlage zu erhalten, wurden kürzlich gleich zwei perspektivenreiche Studien herangezogen: Neben einer umfassenden Passantenbefragung, die die IHK Region Stuttgart Anfang des Jahres in Winnendens Innenstadt durchgeführt hat, liefert der Ergebnisbericht des Heilbronner Instituts für angewandte Marktforschung der Hochschule Heilbronn fundierte Insights aus Sicht der ortsansässigen Unternehmen und Gewerbetreibenden. Der Stadtmarketingverein „Attraktives Winnenden“ hat die Ergebnisse beider Berichte analysiert und zieht eine gemischte, aber optimistische Bilanz: Die Fundamente der Einkaufsstadt stehen fest, doch um langfristig attraktiv zu bleiben und Herausforderungen wie dem Leerstand entgegenzuwirken, müssen erhebliche Investitionen in die Aufenthaltsqualität fließen.
Ein klares Ergebnis des Berichts – der traditionelle Wochenmarkt ist und bleibt die unangefochtene Stärke und der wichtigste Identifikationsanker der Innenstadt. Beeindruckende 97 % der Befragten bewerteten den Markt mit der Note 2 oder besser. Er fungiert als sozialer Treffpunkt und zentraler Frequenzbringer. Auch das historische Fachwerk- und Altstadtflair, die gut erreichbare Fußgängerzone sowie das angenehme Ambiente der Außengastronomie wurden von den Besuchern ausdrücklich positiv hervorgehoben. Insgesamt stellten die Passanten vor Ort dem Stadtzentrum ein solides Zeugnis aus und bewerteten die Innenstadt mit der Gesamtnote 2,44.
Diese positive Wahrnehmung der Erreichbarkeit und der allgemeinen Atmosphäre wird durch die Studie der Hochschule Heilbronn gestützt, in der die lokalen Akteure die Erreichbarkeit sowie die allgemeine Sicherheit der Innenstadt ebenfalls ausdrücklich loben.
Ein entscheidender und messbarer Standortvorteil für den innerstädtischen Handel ist die hervorragende Erreichbarkeit. Da knapp 60 % der typischen Innenstadtbesucher mit dem Auto anreisen, nimmt das bewährte „Winnender Modell“ des kostenlosen Parkens eine absolute Schlüsselrolle ein: 89 % der Befragten bewerten das kostenlose Parkangebot als „gut“ oder „sehr gut“. Was besonders hervorsticht: Für 75 % der Besucher beeinflussen die 120 Minuten kostenfreies Parken die Entscheidung, für den Einkauf oder den Bummel in die Innenstadt zu kommen, direkt und maßgeblich. Dass dieses Parkraumkonzept das absolute Fundament des Standorts bildet, untermauert die Analyse der Hochschule Heilbronn eindrucksvoll: 72 % der befragten Unternehmer fordern das strikte Beibehalten des „Winnender Modells“ mit der 120-minütigen kostenfreien Parkdauer.
„Beide Analyse zeigen: Das „Winnender Modell‘ ist das wirtschaftliche Fundament unseres Standorts: Die zwei Stunden Gratis-Parken lenken die Besucherströme gezielt in unsere Innenstadt und sichern nachhaltig die Frequenz für unseren Handel und Gastronomie“, so Ann Kristin Fischer, Geschäftsführerin des Stadtmarketingvereins „Attraktives Winnenden“.
Beim Thema Aufenthaltsqualität sehen die Befragten jedoch dringenden Verbesserungsbedarf – 40 % der Passanten wünschen sich mehr Plätze und Schatten spendende Elemente zum Verweilen. Auch die Auswahl an Gastronomieangeboten wurde kritisch bewertet: Nur 28 % der Befragten zeigen sich damit aktuell zufrieden. Gewünscht werden mehr Cafés, Bars, Abendangebote und eine größere gastronomische Vielfalt.
Dieser Befund wird durch die wissenschaftliche Untersuchung der Hochschule Heilbronn nicht nur bestätigt, sondern drastisch untermauert: Für die Winnender Betriebe ist die „Aufenthaltsqualität in der Innenstadt“ mit 73 % das absolute Top-Thema, in das der Stadtmarketingverein künftig mehr Geld und Zeit investieren sollte. Die Gewerbetreibenden äußerten im Rahmen der Hochschulstudie eine deutliche Unzufriedenheit mit den aktuellen Sitzmöglichkeiten, der Begrünung sowie der Beschattung und stuften die mangelnde Aufenthaltsqualität (44 %) neben dem Leerstand (82 %) als eine der größten Herausforderungen für die Zukunft des Zentrums ein.
„Die Ergebnisse der IHK-Befragung sowie die der Hochschule Heilbronn decken sich mit unseren eigenen Beobachtungen: Winnenden bringt bereits enorm viele positive Aspekte mit, auf denen wir selbstbewusst aufbauen können. Wenn wir über die Zukunft unserer Innenstadt sprechen, müssen Aufenthaltsqualität, eine konsequente Begrünung, Beschattung und attraktive Verweilmöglichkeiten die dominierenden Themen für die nächsten Jahre sein – hier sind wichtige Investitionen unumgänglich, um das Zentrum lebendig zu halten und den ansässigen Handel nachhaltig zu stärken“, so Ann Kristin Fischer.
Die Ergebnisse des IHK-Innenstadtchecks und der Hochschul-Analyse liefern einen klaren Fahrplan für die kommenden Jahre für Winnenden: Während bewährte Stärken wie das „Winnender Modell“ und der Wochenmarkt die Frequenz sichern, verlangen die Bürger und Betriebe spürbare Verbesserungen bei Begrünung, Beschattung und Verweilqualität. Vor diesem Hintergrund wird der Gemeinderat in seiner nächsten Sitzung auch darüber beraten und abstimmen, ob eine digitale Parkraumbewirtschaftung unter Beibehaltung des kostenlosen Parkens eingeführt wird. Bei einem entsprechenden Beschluss durch den Gemeinderat würden dann nach den ersten 90 kostenfreien Minuten, welche durch die Sponsoren des Winnender Modells mit jährlich rund 25.000 Euro ausgeglichen werden, Parkgebühren eingeführt und ein Parken über die kostenfreie Zeit hinaus dadurch möglich. Der Stadtmarketingverein „Attraktives Winnenden“ versteht diese Erkenntnisse als klaren Auftrag, um die Attraktivität der Einkaufsstadt gezielt weiterzuentwickeln.
