Erinnerung an die Eröffnung am 26. Oktober 1876 und Ausblick auf die Zukunft
Feierstunde „150 Jahre Bahnhof Winnenden“

Vor 150 Jahren erhielt Winnenden Anschluss an die Murrbahn. Deren erster Streckenabschnitt Waiblingen-Backnang wurde am 26. Oktober 1876 in Betrieb genommen. Aus diesem Anlass fand am vergangenen Montag, dem Jahrestag, in der Filiale der Bäckerei Maurer im Bahnhofsgebäude eine Feierstunde statt. Mit Grußworten, einer historischen Einordnung und Geschichten rund um den Bahnhof wurde an frühere Zeiten erinnert und ein Blick in die Zukunft gewagt. 

Bereits seit 150 Jahren profitieren die Stadt Winnenden und ihre Einwohner von der Anbindung an die Murrbahn. Im Rahmen der Feierstunde im Bahnhofscafé der Bäckerei Maurer hob Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth die weiterhin große Bedeutung des Bahnhofs und des Bahnangebots für die Große Kreisstadt hervor. Eine zuverlässige und alltagstaugliche Anbindung habe sowohl für die Bürgerinnen und Bürger wie auch für ortsansässige Firmen einen großen Einfluss auf die Attraktivität einer Stadt, so Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth. Auch Nikolaus Hebding, Leiter des Bahnhofsmanagements Stuttgart der Deutschen Bahn, verwies auf die lange Geschichte des Winnender Bahnhofs und die enge Zusammenarbeit zwischen Stadt und Deutscher Bahn.

Mehrere Personen stehen mti Sektgläsern in der Hand im Bahnhofscafé. Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth spricht zu den Anwesenden.
Feierstunde im Bahnhofscafé der Bäckerei Maurer. Foto: Stadt Winnenden

Stadtarchivarin Michaela Couzinet-Weber nahm die Zuhörenden mit auf eine Zeitreise durch 150 Jahre Eisenbahn- und Stadtgeschichte. Dabei war es ihr wichtig, Originalquellen sprechen zu lassen, etwa Artikel aus dem Winnender Volks- und Anzeigeblatt oder Auszüge aus Gemeinderatsprotokollen. Ihre Recherchen ergaben unter anderem, dass der Bahnbau viele fremde Arbeiter in die Stadt brachte. Im Stadtarchiv hat sich ein Verzeichnis neu anziehender Personen zwischen 1872 und 1877 erhalten. Darin stehen rund 380 Eintragungen in Zusammenhang mit einer Beschäftigung rund um die Eisenbahn. Bei 236 Eintragungen ist als Herkunftsland Württemberg angegeben. Es folgen Bayern mit 77 Eintragungen und Tirol mit 35 Eintragungen. Ein Großteil der Tiroler war bei der Allgemeinen Baugesellschaft aus Stuttgart beschäftigt, die den Auftrag für Grab-, Maurer- und Steinhauerarbeiten erhalten hatte.
Die Eisenbahneröffnung hatte strukturelle Veränderungen zur Folge. So wurden 1878 neue Straßenlinien in Richtung des Bahnhofs genehmigt, womit der Grundstein für die weitere Stadtentwicklung, Industrieansiedlung eingeschlossen, gelegt war. 1897 entstand in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs die Ziegelwarenfabrik Winnenden. Als Meilensteine in der Geschichte der Bahnstrecke Waiblingen-Backnang seien der zweigleisige Ausbau mit Elektrifizierung in den frühen 1960er-Jahren und der Anschluss an die S-Bahn 1981 genannt. Bereits zum 75-jährigen Jubiläum 1951 bilanzierte das Volks- und Anzeigeblatt, „daß die Stadt Winnenden ihre heutige Blüte neben dem Gewerbefleiß ihrer Bevölkerung in erster Linie der Eisenbahn mit zu verdanken hat“.

Bahnhofsbereich um 1913. Foto: Heinrich Weber. Besitzende Institution: Stadtarchiv Winnenden
Bahnhofsbereich um 1913. Foto: Heinrich Weber. Besitzende Institution: Stadtarchiv Winnenden

Einen Einblick in seine persönlichen Erinnerungen und Erlebnisse rund um den Winnender Bahnhof teile Roland Haag vom PMW Modellbahnverein Winnenden e.V mit den anwesenden Gästen. Interessierte lud er in die Fotoausstellung am 7. und 8. November von 11 - 17 Uhr in die Stadtkirche St. Bernhard ein. An beiden Ausstellungstagen wird jeweils um 14 Uhr eine Führung durch die Ausstellung angeboten. Der Eintritt ist frei. Um Spenden für die Kosten der Ausstellung sowie zu Gunsten der Stadtkirche wird gebeten.
Ergänzend zu der Feierstunde gibt es im Virtuellen Stadtmuseum einen Beitrag über „150 Jahre Eisenbahn in Winnenden“. Er befindet sich auf der Seite „Museum“ im Themenraum „Infrastruktur“ unter „Verkehr“. Direkt zugänglich ist er über einen Link auf der Startseite unter „Aktuelles“.