Parken in Winnenden – Weiterhin 2 Stunden kostenlos
Gemeinderat stimmt für den Erhalt der 120 Freiminuten
In Winnenden kann auch weiterhin 120 Minuten kostenlos geparkt werden, so entschied der Gemeinderat in seiner Sitzung am 20. Oktober. Wer mehr Zeit in der Innenstadt benötigt und in den Parkhäusern seinen Wagen abgestellt hat, soll zukünftig die Parkzeit nach den 120 Freiminuten für 1,50 Euro pro Stunde verlängern können.
Hintergrund der Debatte war die weitere Finanzierbarkeit der öffentlichen Parkhäuser in der Winnender Innenstadt. Rund 550.000 Euro bringt die Stadt jährlich für Betrieb, Instandhaltung und Abschreibung der Parkhäuser auf. In der in Winnenden, wie in vielen anderen Kommunen auch, angespannten Haushaltslage wird diese Summe zunehmend schwerer zu stemmen. Durch das Winnender Modell steuern die Handel- und Gewerbetreibenden der Innenstadt bereits seit Längerem jährlich rund 25.000 Euro bei und ermöglichen so schon bisher das kostenlose Parken über 120 Minuten für ihre Kundschaft. Eine Verlängerung der Parkzeit gegen Gebühr sah das Winnender Modell bisher nicht vor.
Zur Anpassung des Parkraummanagements brachte die Stadt ein konkretes Konzept zur digitalen Parkraumüberwachung in den Gemeinderat ein. Der Verein Attraktives Winnenden begrüßte grundsätzlich die Einführung des digitalen Parkraummanagements, sah jedoch in einigen Punkten Bedarf zur Nachbesserung. Beide Konzepte wurden dem Gemeinderat in der Sitzung vom 21. Juli vorgestellt. Für die finale Beschlussfassung stellte die Stadtverwaltung im späteren Verlauf noch einen weiteren alternativen Kompromiss-Vorschlag zur Diskussion, welcher die wesentlichen Punkte beider Konzepte verbindet.
| Vorschlag des VAW | Ursprünglicher Vorschlag der Verwaltung | Alternativer Vorschlag der Verwaltung (BESCHLOSSEN) | |
|---|---|---|---|
| Kostenlose Parkdauer | 120 Minuten | 90 Minuten | 120 Minuten |
| Anschließende Parkgebühren | Tagbetrieb (6 – 18 Uhr): 1,50 Euro / Stunde Nachbetrieb (0 – 6 Uhr): 5 - 8 Euro |
Tagbetrieb (7 – 20 Uhr): 1 Euro / halbe Stunde Nachbetrieb (20 – 7 Uhr): 3 Euro |
Tagbetrieb (6 – 19 Uhr): 1,50 Euro / Stunde Nachbetrieb (0 – 6 Uhr): 5 Euro |
| Kostenfreie Zeiträume | 18 - 0 Uhr | Sonn- und Feiertage | 19 – 0 Uhr |
| Tageshöchstsatz | 10 Euro | 12 Euro | 12 Euro |
Alle drei Modelle sehen vor, dass für einzelne Gruppen wie Marktbeschicker und einen Teil der städtischen Mitarbeitenden kostenpflichtige Monatsparkberechtigungen zur Verfügung gestellt werden sollen. Die dafür angesetzten Gebühren sollen auf eine zeitgemäße Höhe angehoben werden.
Feedback von Handel- und Gewerbetreibenden und Privatpersonen
Neben der Stellungnahme des VAW trat die Stadtverwaltung auch in den direkten Austausch mit dem Verband der Selbstständigen sowie dem Jugendgemeinderat. Zusätzlich wurden die Bürgerinnen und Bürger sowie die Gewerbetreibenden dazu aufgerufen, per E-Mail ihre Gedanken zu den ersten beiden Vorschlägen zu teilen. Um die zahlreichen Anregungen und Argumente dem Gemeinderat zugänglich zu machen, wurden die Rückmeldungen den Mitgliedern des Gremiums in anonymisierter Form zur Verfügung gestellt. Die 69 Rückmeldungen wiesen eine enorme Bandbreite auf. Sie reichten von der Forderung, Parkgebühren bereits ab der ersten Minute in kostendeckender Höhe zu erheben, bis hin zum Erhalt des bisherigen kostenlosen Konzepts ohne eine kostenpflichtige Möglichkeit zur Parkzeitverlängerung.
Besonders häufig wurde in den Rückmeldungen die Attraktivität der Innenstadt durch das großzügige Parkangebot angesprochen. Während in manchen Rückmeldungen dieses Argument als Grund genannt wurde, das bestehende Konzept beizubehalten, verweisen einige Befürworter des neuen Parkkonzepts darauf, dass durch die mögliche Verlängerung der Parkzeit gegen Gebühr das Konzept noch flexibler für die Nutzerinnen und Nutzer wäre. Auffällig oft wird daher die Beibehaltung der 120 Freiminuten kombiniert mit anschließenden Parkgebühren als favorisierte Option genannt. So bestünde auch die Möglichkeit für längere Innenstadtbesuche, ohne das Risiko eines Knöllchens einzugehen. „Winnenden hat mit den zwei Stunden, die Innenstadtbesucher kostenlos parken können, ein wichtiges Aushängeschild, das die Menschen in unsere Innenstadt zieht. Diesen Vorteil für unsere Innenstadtbesucherinnen und -besucher zu erhalten, war unser wichtigstes Anliegen. Wir freuen uns daher sehr, dass die 120 Freiminuten erhalten bleiben“, so VAW-Geschäftsführerin Ann Kristin Fischer.
Aus den Reihen der Anwohner wurde mehrfach die Sorge vor erhöhtem Parkdruck in den umliegenden Bereichen geäußert. Die Lösung liefern zahlreiche Umfrageteilnehmende gleich mit: Anwohner- und Gewerbeparkausweise. In diesem Bereich decken sich die Rückmeldungen mit den weiteren angedachten Schritten der Verwaltung, welche die Möglichkeit, den Parkdruck zu regulieren verfolgen möchte.
Handel- und Gewerbetreibende zeigen sich kompromissbereit
Die Rückmeldungen der Handel- und Gewerbetreibenden zeigten deutlich, dass fast ¾ den Vorschlag des VAW unterstützen. Einer Parkraumüberwachung steht der Großteil der Gewerbetreibenden offen gegenüber. Besonders häufig wurde auf das Alleinstellungsmerkmal der 120-Freiminuten verwiesen, welches erhalten bleiben sollte. Die Stadtverwaltung griff daher diesen Punkt bewusst in ihrem zweiten Vorschlag auf. „Zu den kostenlosen 2 Stunden kommen auch noch die Parkzeiten von 19 bis 0 Uhr, in welchen keine Parkgebühren erhoben werden. Das bedeutet konkret: Wer um 17 Uhr seinen Wagen im Parkhaus abstellt, kann dank der 120-Freiminuten bis 19 Uhr kostenlos stehen und zahlt durch die kostenlose Parkzeit ab 19 Uhr weiterhin keinen Cent bis 0 Uhr. Damit bleibt nicht nur Zeit für einen ausgiebigen Einkauf, sondern auch noch für ein gemütliches Abendessen direkt vor Ort“, klärt Amtsleiter Robin Hurlebaus über das Zusammenspiel der Regelungen auf.
In der Sitzung des Gemeinderats stieß der angepasste Vorschlag der Verwaltung auf die meiste Unterstützung. „Durch den eingebrachten Kompromissvorschlag erhalten wir die bisherigen Vorteile für unsere Innenstadtbesucherinnen und -besucher und schaffen durch die Möglichkeit, die Parkzeit kostenpflichtig über die zwei Stunden hinaus zu verlängern, Einnahmen zur Gegenfinanzierung der Betriebskosten. Gleichzeitig gehen wir damit effektiv gegen Dauerparker vor und entlasten unseren Gemeindevollzugsdienst“, fasste es Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth zusammen.
Weitere Schritte zur Parkraumbewirtschaftung
Als nächsten Schritt beschäftigt sich die Verwaltung unter Beteiligung des VAW und des VdS nun mit der Bewirtschaftung der öffentlichen Parkplätze im Kernstadtbereich. Um der bloßen Verlagerung des Parkdrucks in die umliegenden Straßen entgegenzuwirken, soll auch außerhalb der Parkhäuser für eine verträgliche Parksituation für die Besucher sowie die Anwohner gesorgt werden, in dem hierfür gezielte Lösungen entwickelt werden.
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